Frankfurt Marathon

von | 15. Januar 2019 | Laufen-Walking

Bericht eines Staffelläufers vom Frankfurt Marathon 2018

Wie auch in den letzten Jahren sind die Läufer vom Lauftreff am Hattsteinweiher als Staffel „UTSG Usingen 1“ beim Frankfurt Marathon an den Start gegangen. Kurz vor 9:00 Uhr waren wir in der Festhalle, um das besondere Flair beim Zieleinlauf vorab schon einmal zu genießen. Nachdem alles Organisatorische geklärt war, ist unser erster Läufer Stephan zum Start gegangen. Anstelle direkt die Wechselpunkte anzusteuern, haben die restlichen drei Läufer beschlossen, gemeinsam zur ersten Wechselzone bei „km 12“ an der Konstabler Wache / Kurt-Schumacher-Str. zu fahren. Wir wollten die Spitzenläufer direkt erleben.
Es tat sich aber erstmal lange nichts. Wir warteten und merkten schnell, dass es mit ca. 5°C verhältnismäßig kalt war. Für mein Empfinden zu kalt. Ich zog alles an, was ich dabei hatte. Am Ende waren es 5 Schichten, Handschuhe und die Mütze. Immer noch zu kalt! Nach dem Sommer hat man das Frieren völlig verlernt. Die ersten Sponsorenfahrzeuge kündigen ca. 37 Minuten nach dem Start die ersten Läufer an und die Ordner sorgen für freien Durchgang. Und Zack, sind die ersten 10 Mann vorbei. Dann folgt in einigen Hundert Metern ein Feld mit weiteren Läufern. Dann passiert wieder nichts. Wo bleibt der Rest? Der folgt mit einem erheblichen Rückstand von mehreren Minuten. Das waren die Profis. Wo bleiben nur die Amateure?
Wieder einige Minuten später ist das Hauptfeld da. Ich erwische mich bei dem Gedanken „wie langsam sind die denn, wenn sie erst jetzt hier durchkommen?“. Kurz darauf passiert uns der Orientierungsläufer mit der Richtzeit „2:45“ für den gesamten Marathon. Eine für mich nie erreichbare Zeit. Die sind also alles andere als langsam. Es kommt eben auf die Perspektive an. Inzwischen friere ich mehr denn je. Was zum Lauf anziehen bzw. ausziehen? Die Spitzenläufer waren allesamt fast nackt. Andere laufen in Handschuhen, aber sonst in kurzer Hose mit Trägerhemdchen. Ein Clown samt Kostüm mit Perücke war auch dabei. Allerdings lief er barfuß… Ich bin völlig irritiert. Markus (Läufer Nr. 3) verabschiedet sich und macht sich auf zu seinem Startpunkt, in der Bürostadt Niederrad. In der Zwischenzeit ist Stephan (Läufer Nr. 1) bei der ersten Wechselmarke eingetroffen und hat den Staffelchip an Armin (Läufer Nr. 2) übergeben. Ich habe nun ca. 1:15 Std. Zeit, um als letzter Läufer nach Nied zur 3. Wechselmarke zu fahren. In der S-Bahnstation Konstabler-Wache kann ich mich etwas aufwärmen. Wegen einer technischen Störung fährt die S-Bahn von hier aus nicht. Auch nicht nach Nied.
Mit der U-Bahn geht’s zum Hauptbahnhof. Dort ist der Bahnsteig schon beträchtlich gefüllt. Wie ich müssen heute Tausende die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Die Bahn hat Verspätung. Jede einfahrende S-Bahn wird bejubelt. Die Stimmung ist zum Glück gut und die Leute sind sehr diszipliniert: Wer sich nachträglich in die Tür stellt und die Lichtschranke blockiert, wird gnadenlos ausgebuht. Dadurch hebt sich die Stimmung weiter. Das ist dann aber auch schnell wieder vorbei, denn die Bahn nach Nied kommt und kommt nicht. Ich höre panische Telefongesprächsfetzen wie „wenn ich es nicht schaffe, musst Du eben weiterlaufen“. Wir drohen alle zu spät zu kommen! Meine Vorurteile zum ÖPNV werden wieder einmal übertroffen. Nebenbei drückt seit mehr als einer Stunde die Blase. Ich schätze, dass ein Dixi auf tausend Leute kommt. Endlich kommt die Bahn und ALLE steigen ein. Es sind Zustände wie ich sie aus chinesischen Videos kenne. Leider ist hier kein Personal vorhanden, das die Leute in den Zug stopft. Irgendwann kann die Bahn losfahren. Die Bordanzeige gibt die Ankunftszeit für Nied an. Ich rechne mir aus, dass mir ca. 10 Minuten bleiben, um mich vom Bahnsteig zur Staffelübergabe zu begeben. Als wir in Nied halten dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis sich aus der Bahn der Personenstrom ergossen hat.
Bis ich das Ende des Bahnsteigs erreicht habe, dauert es wieder sehr lange. Der Bahnsteig ist so voll, da passt keine Maus mehr dazwischen. Einige Läufer klettern über den Zaun und rennen durchs Gebüsch. Mich hindert meine immer noch volle Blase daran. Als ich noch auf dem Weg zur Wechselmarke bin, hat mich Markus schon irgendwie entdeckt. Wieso ist er denn schon hier? Wie schnell sind denn meine drei Staffelkollegen gelaufen? Ich werfe einige Klamotten von mir und bitte Markus, alles aufzusammeln. Zum Glück ist er ganz gelassen – wie immer. Es gilt also den Schalter von „passiv“ auf „aktiv“ umzustellen. Von jetzt auf sofort. Bloß nicht denselben Fehler wie letztes Jahr machen. „Erstmal langsam starten, sich nicht mitreißen lassen“ hatte Armin mir geraten. Daran halte ich mich. Letztes Jahr war ich nach 7 km fix und fertig. Dieses Mal muss ich mehr als 13 km durchhalten. Ein Staffelläufer nach dem anderen überholt mich. Ich denke „Na toll. Alles, was meine Kollegen herausgelaufen haben, setze ich aufs Spiel.“ Dann denke ich um: „alle anderen Teams haben ihren besten Läufer zum Schluss genommen – wir eben nicht“. Damit komme ich klar!
Es geht die Mainzer-Landstraße Richtung Innenstadt entlang und es spielt eine Samba-Band nach der anderen. Ich bin warm gelaufen, habe meinen Rhythmus gefunden und denke, so langsam könnte man das Tempo erhöhen. In diesem Augenblick komme ich an der Markierung für km 32 vorbei. Noch 10 km? Tempo erhöhen? Dann doch lieber nicht! Ich genieße den Lauf durch die Frankfurter City. Ab und an passiert man eine Verpflegungsstation. Die Logistik ist schon enorm. Wie viele freiwillige Helfer zum Gelingen der Veranstaltung beitragen und was an einem Verpflegungsstand für Massen von Pappbechern und Getränken bereit stehen, beeindruckt. Auch Privatiers richten ihre eigenen Verpflegungsstände ein, bieten Bier und Mettbrötchen mit Zwiebeln an. Danach steht mir nicht der Sinn: „Ist ja ekelhaft!“ Die Läuferin neben mir fängt an zu lachen. Habe ich das eben wirklich laut gesagt? Egal. Die Strecke führt weiter zur Alten Oper, Hauptwache und am Eschenheimer Turm vorbei. Teilweise herrscht hier „Gegenverkehr“, so dass man ein Gefühl dafür bekommt, wie viele Läufer schon vor einem liegen. Dann geht es über die „Fressgass“ mit ihrem tückischen Kopfsteinpflaster zurück zur Oper und die Mainzer Landstrasse bis zum Platz der Republik. Hier bekommt man ein Gefühl dafür, wie viele Läufer noch hinter einem liegen. Von hier aus ist es auch nur noch ein Kilometer bis zum Ziel in der Festhalle. Die anderen drei Läufer der Staffel schließen sich an und wir laufen die letzten Meter gemeinsam in die Festhalle ein. Es ist immer wieder ein ganz tolles Erlebnis.

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