Mike Leyendecker – Schrecken der Abwehrreihen

von | 27. Juli 2018 | Allgemein, Fussball

Für Mike Leyendecker ist die UTSG weiter ein Stück Familie

Von Wolfgang Stalter

Für die Usinger TSG war Mike Leyendecker ein Glücksfall. Der langjährige Torjäger trug von 1992 bis 2005 das Trikot des heutigen Verbandsligisten. In seiner Zeit war der „Leyne“, so der liebevolle Name seitens der UTSG-Fangemeinde, in jeder Saison für 25 – 30 Tore Tore gut. Schnell, trickreich und mit einem außergewöhnlichen Torinstinkt ausgestattet, das waren die Stärken des heute 47-jährigen, der nach wie vor in Usingen beheimatet ist. Mit seiner Spielweise  ist Leyendecker damit in die großen Fußstapfen eines Helmut Klotz getreten, der in den 70-er und 80-er Jahren für die Torerfolge „Auf den Muckenäckern“ sorgte.

Mit zehn Jahren begann der Mike das Fußballspielen bei Chemie Leipzig in der Jugendabteilung. Sein Bruder Uwe, der sechs Jahre älter ist, hatte ihn für den Fußballsport begeistert. Bis zum Jahr 1988 spielte er in allen Jugendmannschaften des damaligen Zweitligisten der DDR. Seine Förderer waren in dieser Zeit Manfred Walter, eine Legende in Leipzig und den „Leyne“ noch heute als den besten Trainer der Welt bezeichnet sowie Harald Döring. Zu seinem heutigen Bedauern brachte er es nur auf zwei Einsätze in der Profimannschaft von Chemie. Noch vor der Grenzöffnung flüchtete er über Ungarn nach Westdeutschland. Mit seinen 19 Jahren musste er in der neuen Umgebung jetzt erst einmal Fuß fassen. Mike machte vom Fußball ein Jahr Pause, kümmerte sich um Wohnung und Arbeitsplatz. Über Bekannte wurde dann ein Kontakt zum SV Seulberg hergestellt. Leyendecker: „Beim SV Seulberg habe ich zwei herrliche Jahre verbracht, die ich nicht missen  möchte. Die Eingewöhnung in das neue Leben wurde mir von Herbert Wenzel und der Familie Jentsch sehr leicht gemacht. Ihnen bin ich noch heute zu Dank verpflichtet“. Nach zwei Jahren mit einer erfolgreichen Zeit in Seulberg kam es zu ersten Kontakten mit der Usinger TSG. Tomas Odekerken, damals Geschäftsführer Sport und Michael Schütrumpf. Abteilungsleiter Fußball, hatten mir einen Wechsel in den Hintertaunus schmackhaft gemacht. „Die waren dabei waren sehr hartnäckig. Sogar im Anzug sind beide bei mir zu den Verhandlungen erschienen. Das war wirklich sehr schön anzuschauen, es strahlte so etwas von Seriosität aus. Nach einigen Treffen kam es dann in einer gastronomischen Einrichtung in Köppern zu einem Wechsel nach Usingen“. Odekerken erinnert sich: „Das hatten der „Mick“ und ich gut eingefädelt, mit Ruhe und Harmonie, letztendlich gestaltete sich die Zusage von „Leyne“ doch irgendwie filmreif. Details werden auch nach so vielen Jahren nicht weiter verraten“. Bei der Usinger TSG hakte es am Anfang noch für den Sachsen. Nach seinen Vorstellungen kam er nicht gleich so richtig in die Spur. Abwanderungsgedanken kamen bei ihm auf. Doch Odekerken und Schütrumpf waren von ihm total überzeugt. Sie sprachen ihm Mut zu, bauten ihn auf und glaubten an ihn. Leyendecker zahlte die Treue mit Toren zurück. Mit Marco Favoro bildete er plötzlich ein enorm gefährliches Angriffsduo. Der „Leyne“ war auf den „Mückenäckern“ endlich angekommen. Er entwickelte sich zu einem „Premium-Torjäger“, unabhängig von der Gruppen-/bzw. Verbandsliga, gefürchtet von gegnerischen Abwehrreihen bis in den äußersten Süden von Hessen. Der UTSG-Torjäger machte dabei in vielen Spielen den kleinen Unterschied, der für den sportlichen Erfolg ausschlaggebend war. Leyendecker: „Den Wechsel nach Usingen habe ich nie bereut. Es war bei der UTSG eine ganz tolle Zeit, die mich auch sehr geprägt hat“. Dabei hat er nicht vergessen, dass die Familie Melcher, langjähriger Werbepartner der Usinger TSG, ihn von Anfang in jeder Hinsicht unterstützt und ihn seit seinem 23. Lebensjahr begleitet hat. „Ingrid und Helmut Melcher wurden im Grunde genommen meine zweiten Eltern, denn meine Vater ist leider viel zu früh verstorben. Ingrid Melcher zur Person „Leyne“: „Das ist wirklich auch heute noch ein netter, hilfsbereiter und außerordentlich zuverlässiger Kerl. Er besucht uns noch oft, wir betrachten ihn nicht nur als Freund, irgendwie gehört er schon so richtig zur Familie“.

Gedanken an den Profifußball hat er nie so richtig verschwendet. Da gab es Dinge für ihn im Leben, denen er Vorrang eingeräumt hat. Leyendecker: „Aus meiner heutigen Sicht war das sicher der richtige Weg, denn man weiß vorher nie, ob es im Profifußball für mich einen Platz gegeben hätte“. Zu einem Wechsel in die Amateuroberliga konnte er sich nicht entschließen – Angebote von Hessenligisten lagen vor – denn sein zuhause war für ihn immer die Usinger Familie.

Enttäuschungen gab es bei der Usinger TSG auch. Dabei denkt nur sehr ungern an das Pokalspiel gegen den FC Reifenberg, das die UTSG vor heimischem Publikum verloren hatte. „Ein ganz schwarzer Tag für uns“. „Leyne“ erinnert sich aber auch an ganz große Ereignisse z. B. das erfolgreiche Pokalspiel gegen den damaligen Oberligisten Spvgg05 Bad Homburg und den späteren Endspielsieg gegen die DJK Bad Homburg. Vergessen hat er auch nicht die Begegnung gegen die Türkischen Sportfreunde Usingen im Jahr 2001  in Wernborn, das die UTSG vor ganz großer Kulisse mit ca. 900 Zuschauern mit zwei Leyendecker Toren 2:1 für sich entscheiden konnte.

Im Jahr 2005 war für den „Leyne“ dann Schluss, doch er kehrte im Jahr 2007 noch einmal ganz spektakulär auf die Fußballbühne zurück. Im Meisterschaftsspiel der Verbandsliga gegen Rot Weiß Frankfurt half er noch einmal aus und erzielte drei Tore. Mike zeigte allen Besuchern, dass auch mit 38 Jahren auf dem Fußballplatz noch vieles möglich ist.

Und was macht der „Leyne“ heute? Nach wie vor besucht er alle Heimspiele des Verbandsligisten und ist auch weiterhin ein Anhänger der UTSG. Mit dem Leistungsvermögen der jetzigen Kicker kann er sich gut anfreunden. Er weiß aber auch, dass dieses Niveau für die Usinger Verhältnisse nur schwer auf Dauer zu halten sein wird. Leyendecker:„Vielleicht ist in der nahen Zukunft ein Zusammenschluss mit einem anderen Verein doch notwendig. Die Zeit wird es zeigen, vielleicht lässt es sich nicht umgehen“. Karnevalistisch ist er in der Faschingszeit auch gut unterwegs, denn ihm das alte Brauchtum wichtig. Leicht ist er auch zu Kreuzfahrten mit seiner Lebensgefährtin Andrea Reiche  zu animieren. Leyendecker: „Sie hat in den 19 Jahren in guten wie in schlechten Zeiten immer zu mir gestanden“. Auch zu seiner 83-jährigen Mutter Marianne hält er ganz engen Kontakt. „Gott sei Dank ist sie noch sehr mobil. Sie ist eine tolle Mamma, die ich gerne soweit mir das möglich ist, auch in jeder Form unterstütze“. Zu vielen alten Kameraden wie Odekerken, Schütrumpf, Kai Merkel, Stefan Kern und Olaf Best hat der „Leyne“ auch heute noch engen Kontakt. Schütrumpf hatte sogar versucht, ihm das Skifahren beizubringen. Leyendecker mit einem lachenden Auge: „Rausgekommen ist dabei allerdings nur sehr wenig“.

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